Trojanische Pferde
Definition und Wirkungsweise
Der Begriff "Trojanisches Pferd" ist ursprünglich auf den griechischen
Dichter Homer zurückzuführen:
Nachdem die Griechen nach dem Raub Helenas die Stadt Troja zehn
Jahre lang vergeblich belagert hatten, ersann Odysseus eine List.
Er schlug vor, ein großes hölzernes Pferd zu bauen, in
dessen Bauch sich Soldaten versteckten. Nach dem scheinbaren Abzug
der griechischen Belagerungsarmee zogen die Trojaner das Pferd als
vermeintliche Opfergabe in das Stadtinnere. Nachts kletterten die
Soldaten heraus und zerstörten die Stadt.
Mittlerweile gibt es auch in der Informationstechnik "Trojanische
Pferde", die fälschlicherweise oft als "Trojaner" bezeichnet
werden.
Trojanische Pferde sind Programme, die
neben scheinbar nützlichen auch nicht dokumentierte, schädliche
Funktionen enthalten und diese unabhängig vom Computer-Anwender
und ohne dessen Wissen ausführen. Im Gegensatz zu Computer-Viren
können sich Trojanische Pferde jedoch nicht selbständig
verbreiten.
Nicht unter diese Definition fallen die so genannten Easter Eggs
(engl. Oster-Eier). Dies sind Programmroutinen, die ebenfalls meist
nicht offiziell vom Programmhersteller dokumentiert also auch "versteckt"
sind, aber keine schädliche Funktion aufweisen. Dazu gehören
beispielsweise Funktionen für die Fehlersuche, Protokollierung
oder eine Liste der beteiligten Programmierer.
Trojanische Pferde sind bereits seit den Anfängen der Computernutzung
mit Großrechnern bekannt. Weil damals nicht jeder über
einen eigenen leistungsstarken Rechner verfügte, waren vor
der weiten Verbreitung des Personal Computers viele Arbeitsplätze
gleichzeitig an einen Großrechner angeschlossen. Unterschieden
wurden die einzelnen Arbeitsplätze anhand eigener Benutzerdaten,
die bei der Anmeldung übermittelt wurden. Die entstandenen
Kosten wurden entsprechend der in Anspruch genommenen Rechenzeit
abgerechnet. Es kamen daher schon vor Jahrzehnten Trojanische Pferde
auf, mit deren Hilfe es möglich war, die Rechner auf Kosten
anderer Anwender zu nutzen. Hierzu ist meist nur die Kenntnis des
Kennwortes (engl. Password) sowie der Anmeldename für den Zugriff
erforderlich. Diese werden mittels heimlich installiertem "Password-Sniffer"
beim Anmelden protokolliert und ermöglichen dann dem Angreifer
die unberechtigte Nutzung. Password-Sniffer haben meist das Erscheinungsbild
des normalen Anmelde-Bildschirms, so dass der berechtigte Anwender
von der Manipulation nichts merkt.
Mit der zunehmenden Zahl von Internet Service Providern, die ihren
Kunden ihre Dienstleistungen ebenfalls in Rechnung stellen, verbreiteten
sich Trojanische Pferde auch auf dem Personal Computer.
Besonders der Online-Dienst AOL ist häufig ein Ziel von Angriffen
mit Trojanischen Pferden geworden. Es sind Hunderte von Programmen
bekannt, die die Zugangsdaten von Anwendern erfassen und über
das Internet an den "Interessenten" verschicken können.
Wegen der starken Verbreitung und des niedrigen Sicherheitsstandards
sind Computer mit den DOS/Windows-Betriebssystemen der Firma Microsoft
besonders stark durch Trojanische Pferde bedroht.
Dabei geht es in der letzten Zeit nicht mehr allein um die Erfassung
der Zugangsdaten des Opfers zum Internet. Vielmehr wird mittels
Trojanischer Pferde versucht, andere vertrauliche Daten zu erfassen,
zum Beispiel solche, die beim Online-Banking entstehen.
Außerhalb des privaten Bereiches gibt es darüber hinaus
folgende Gefahren durch Trojanische Pferde:
- Der Schutz vertraulicher Daten auf vernetzten Computern (z. B.
Personendaten, Konstruktionsunterlagen, Kalkulationsdaten usw.)
ist bei Befall mit Trojanischen Pferden oder Computer-Viren nicht
mehr gesichert. Diese Daten können verändert, gelöscht
oder ausgeforscht und über das Netz an den Angreifer verschickt
werden. Dieser "Datendiebstahl" kann unbemerkt bleiben, weil im
Gegensatz zum Diebstahl materieller Dinge nichts fehlt.
- Computer erbringen Dienstleistungen wie z. B. Fahrplanauskünfte.
Die korrekte Arbeitsweise dieser Computer kann durch entsprechende
Manipulationen beeinträchtigt werden.
- Bei der Nutzung von Computern durch Unbefugte können hohe
Kosten an anderer Stelle (z. B. Telefongebühren) entstehen.
In der einfachsten Form sind Trojanische Pferde Programme, die
dem Angreifer die reinen Nutzdaten (beispielsweise Anmeldenamen,
Passwort) über eine Netzverbindung übermitteln. Es gibt
aber noch weitaus komplexere Tools wie Subseven oder Back
Orifice, die die Steuerinformationen des verseuchten Rechners
übermitteln. Dem Angreifer wird somit ermöglicht, den
kompletten Rechner "fernzubedienen", als säße
er selbst an der Konsole des angegriffenen Rechners.
Vorbeugende Maßnahmen
Schulung für umsichtiges Verhalten der Anwender
Trojanische Pferde können sich in der Regel nicht selbstständig
verbreiten. Sie werden oft unverlangt und in großen Mengen
als Anhang einer E-Mail an bekannte Adressen geschickt.
Damit das Trojanische Pferd auf dem Rechner installiert wird, muss
der Anwender das angekommene Programm ausführen. Da die Absenderadresse
grundsätzlich gefälscht ist, kann er sich nicht darauf
verlassen, dass er den Absender kennt.
Ziel muss es sein, die Anwender dahingehend zu schulen, dass Dateien,
die einen Programmcode enthalten können und als Anhang verschickt
werden, nur nach telefonischer Absprache mit dem Absender geöffnet
werden. Den Anwendern muss bewusst werden, dass das Anklicken von
Dateien im Anhang einer E-Mail immer mit Gefahr verbunden sein kann.
Ein weiterer Ort, über den Trojanische Pferde verbreitet werden,
ist das Internet. Besonders in Bereichen, in denen sich der
Anwender selbst am Rande der Legalität bewegt, werden viele
Schadprogramme verbreitet. Oft verbirgt sich beispielsweise hinter
so genannten "Hackertools" ein Programm, das den eigenen Rechner
kompromitiert. Dabei muss nicht immer böse Absicht hinter dem
Verhalten des Anwenders stecken. Die Links im Internet sind sehr
weit verzweigt und die Neugier des Anwenders verleitet dazu, gerade
die kuriosen Dinge weiterzuverfolgen. Deshalb sollte auch hier Vorsicht
geboten sein, was "angeklickt" wird.
Viren-Schutzprogramme
Die Schutzprogramme gegen Computer-Viren erkennen meist auch die
verbreitetsten Trojanischen Pferde. Wichtig beim Einsatz dieser
Programme ist deren Aktualität, denn täglich erscheinen
neue Viren und Trojanische Pferde. Das Schutzprogramm muss auf den
Computern aller Anwender aktiv, im Speicher resident arbeiten. Nützlich
ist auch der Einsatz von Viren-Schutzprogrammen auf den Servern.
Allerdings werden hier verschlüsselte, mit Kennwort oder mit
weniger bekannten Programmen komprimierte Viren und Trojanische
Pferde nicht gefunden. Auf dem Arbeitsplatz-PC dagegen finden die
Schutzprogramme solche Schadensprogramme nach dem Entpacken oder
Entschlüsseln.
Programm-Konfiguration und Sicherheits-Updates
Moderne E-Mail-Programme (wie Outlook, Thunderbird oder die entsprechenden
Teile der Internet-Browser, z. B. Netscape Messenger) erlauben
es, einen ausführbaren Programmcode in Form von JavaScript,
HTML-Code oder den Aufruf von Funktionen des Betriebssystems direkt
in die Nachricht einzubauen.
Dadurch können auch schädliche Programme ablaufen, wie
Trojanische Pferde und Computer-Viren, ohne dass der Anwender darauf
Einfluss hat. Das BSI empfiehlt daher, diese so genannten "Aktiven
Inhalte" in den Programmen abzuschalten.
Es ist außerdem wichtig, darauf zu achten, dass der angemeldete
Benutzer nur eingeschränkte Zugriffsrechte auf die Dateien
und Programme hat. Dies kann die Sicherheit gegen Missbrauch erhöhen.
Denn meist hat die Software nur die Rechte des Nutzers, der sie
startet.
Weiterhin enthalten E-Mail-Programme und Browser oft Sicherheitslücken,
durch die unerwünschte Manipulationen möglich sind. Zumeist
ist unmittelbar nach Bekanntwerden solcher Dinge auch eine Lösung
der Programm-Hersteller verfügbar, die den Fehler behebt. Auch
hier gilt die Forderung, Programme auf dem aktuellen Stand zu halten
und Sicherheits-Updates kurzfristig einzusetzen.
Verhalten bei Befall durch ein Trojanisches Pferd
- Bei Verdacht auf Befall durch ein Trojanisches Pferd (unerwarteter
Datenverkehr übers Netz, extreme Geschwindigkeitseinbußen,
es wird eine Wählverbindung aufgerufen, ohne dass dies vom
Anwender initiiert wurde) sollte die Arbeit wie gewohnt aber unverzüglich
beendet werden.
- Keine Panik! Durch hektische Aktionen (Formatieren) kann mehr
Schaden entstehen als durch einen Virus oder ein Trojanisches
Pferd.
- Unerfahrene Anwender sollten bei größeren Problemen
einen Fachmann hinzuziehen, z. B. Benutzerdienst, Händler
oder die Hotline des BSI.
- Mit einem aktuellen Viren-Suchprogramm kann die Festplatte untersucht
werden. Alle gängigen Viren-Scanner finden auch die bekannten
Trojanischen Pferde. Der Viren-Scanner sollte so eingestellt werden,
dass ein Protokoll erstellt wird.
Quelle: Bundesamt für Sicherheits in der Informationstechnologie
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