Weniger arbeitsbedingte Unfälle und
Krankheiten durch eine bessere Gefährdungsbeurteilung
Nach Angaben von
EUROSTAT sterben jedes Jahr in der
Europäischen Union 5 720 Menschen an arbeitsbedingten Unfällen.
Darüber hinaus schätzt die Internationale
Arbeitsorganisation, dass weitere 159 500 Arbeitnehmer pro Jahr in
der EU an Berufskrankheiten sterben. Nimmt man diese beiden Zahlen zusammen, ist
davon auszugehen, dass alle dreieinhalb Minuten ein Mensch in der EU an Ursachen
stirbt, die mit seiner Arbeit zusammenhängen. Die meisten dieser
Unfälle und Krankheiten können verhindert werden, und der erste
Schritt in diese Richtung besteht in der Gefährdungsbeurteilung. Dies ist
die Botschaft von „Gesunde Arbeitsplätze. Ein Gewinn für
alle“, der europaweiten Informationskampagne zur
Gefährdungsbeurteilung, die von der Europäischen Agentur für
Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) initiiert wurde. Der
Schwerpunkt der Kampagne liegt vor allem auf Hochrisikobranchen wie dem
Baugewerbe, dem Gesundheitswesen und der Landwirtschaft sowie auf den
Bedürfnissen kleiner und mittlerer Unternehmen. Die Laufzeit der Kampagne
beträgt zwei Jahre (2008-2009).
Nach dem EU-Recht sind alle Arbeitgeber in der EU
verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen. Durch die
Gefährdungsbeurteilung verstehen Arbeitgeber besser, welche Maßnahmen
sie zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit
ergreifen müssen.
„Jeder arbeitsbedingte Unfall und jede Berufskrankheit ist eine zu
viel“, sagt Vladimír Špidla, Kommissar für
Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit. „Auch
wenn ein Unfall oder eine Krankheit keinen Todesfall zur Folge hat, sind die
Konsequenzen nicht annehmbar, und zwar sowohl für die betroffenen Menschen
als auch für die Wirtschaft. Jedes Jahr sind Millionen Arbeitnehmer in der
EU in Unfälle verwickelt, durch die sie gezwungen sind, mindestens drei
Arbeitstage zu Hause zu bleiben, was erhebliche Kosten für die Wirtschaft
mit sich bringt. Durch eine Gefährdungsbeurteilung können diese Zahlen
gesenkt werden. Sie kann jedoch nur den ersten Schritt darstellen –
wichtig ist es auch, sie umzusetzen.“
Die Kampagne für gesunde Arbeitsplätze betont die Notwendigkeit
einer Gefährdungsbeurteilung im Einklang mit der Gemeinschaftsstrategie
für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz (2007–2012), deren Ziel
es ist, arbeitsbedingte Unfälle in diesem Zeitraum in der EU um ein Viertel
zu senken.
Der Direktor der EU-OSHA, Jukka Takala, merkt dazu an: „Mit der
Kampagne für gesunde Arbeitsplätze möchten wir Unternehmen
bestärken, Gefährdungsbeurteilungen richtig durchzuführen und
alle Mitarbeiter daran zu beteiligen. Wir möchten gute praktische
Lösungen fördern, die auf andere Arbeitsplätze übertragen
werden können. Die Kampagne soll zwei Kernbotschaften verbreiten: Erstens
ist eine Gefährdungsbeurteilung nicht notwendigerweise kompliziert, mit
hohem bürokratischem Aufwand verbunden oder nur eine Sache für
Experten. Dies ist ein Irrglaube, der besonders unter KMU verbreitet ist. Es
sind jedoch viele Instrumente (wie Checklisten) verfügbar, die das
Verfahren unterstützen, und die EU-OSHA fördert einen einfachen Ansatz
aus fünf Schritten. Zweitens bringt eine Gefährdungsbeurteilung
Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. Dadurch, dass Arbeitsplätze sicherer
und gesünder sind, nehmen Fehlzeiten und Versicherungskosten ab,
während die Motivation und die Produktivität der Arbeitnehmer
steigen.“
„Eine Gefährdungsbeurteilung trägt schließlich auch dazu
bei, die Last zu verringern, die auf dem nationalen Gesundheitswesen
lastet“, so Romana Tomc, slowenische Staatssekretärin für
Arbeit, Familie und soziale Angelegenheiten. Die derzeitige und die kommende
EU-Ratspräsidentschaft sowie die Sozialpartner der EU unterstützen die
Kampagne mit Nachdruck, ebenso die Focalpoints – in der Regel die
nationalen Behörden, die für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der
Arbeit zuständig sind – in allen 27 Mitgliedstaaten.„Dies
zeigt, dass Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ein Kernpunkt des
europäischen Sozialmodells ist,“ fügt sie hinzu.
Quelle und weitere Information: EU-Aktuell
|