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Weltwirtschaft
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Betriebswirtschaft
G8-Finanzminister sehen Weltwirtschaft durch Energiepreise bedroht

Osaka/Berlin (dpa) - Die Finanzminister der führenden Industrienationen befürchten, dass sich der dramatische Anstieg der Energiepreise zu einer ernsthaften Bedrohung für die Weltwirtschaft auswächst. Auch die Bundesregierung zeigt sich zunehmend besorgt, dass die hohen Preise für Öl, Strom und Gas die Konjunktur in Deutschland gefährden und die Inflation weiter anheizen könnten. Ökonomen rechnen damit, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland wegen der gestiegenen Energiekosten um mehr als einen Prozentpunkt gedrückt wird. Inzwischen drohen auch erste Firmenpleiten.

«Dauerhaft hohe Energiepreise schlagen auf den privaten Konsum durch. Das bedeutet eine Schwächung unseres Wachstums», sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) der «Bild am Sonntag». Vor steigenden Kosten für Energie könne sich Deutschland nur durch eine geringere Importabhängigkeit, Energiesparen, die Verbesserung der Energieeffizienz und den Ausbau erneuerbarer Energien schützen, sagte er der «Wirtschaftswoche». Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) forderte die Kunden auf, ihre Macht zu nutzen und aktiver den Versorger zu wechseln. Damit ließen sich «beachtliche Beträge sparen», sagte er dem Nachrichtenmagazin «Focus».

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Bernhard Heitzer, sieht keine großen Möglichkeiten, den Preisanstieg über schärferen Wettbewerb einzudämmen: «Vor dem Hintergrund der internationalen Preisentwicklung und der Spekulation können wir vielleicht den Anstieg dämpfen, aber sicher nicht die absoluten Preise senken.»

Der Chefvolkswirt der Dresdner Bank/Allianz, Michael Heise, sagte der «Bild am Sonntag», ein Ölpreis von 120 Dollar im Jahresschnitt bedeute einen Wachstumsverlust von rund 1,2 Prozent für Deutschland. Ein Barrel Öl (159 Liter) kostet derzeit rund 135 Euro.

Laut einer Studie des Verbraucherportals Verivox verteuerte sich Strom innerhalb eines Jahres um bis zu 34 Prozent, der Gaspreis legte um bis zu 25 Prozent zu. Von den 100 Anbietern mit den stärksten Preisanstiegen erhöhten alle ihren günstigsten verfügbaren Gastarif um mindestens 14 Prozent. Ein Ende der Ölpreisbindung sei aber keine Lösung, sagte Glos der «Wirtschaftswoche». Diese sei in Lieferverträgen zwischen Gasproduzenten und Importeuren geregelt. Einem Eingriff des Staates erteilte der Minister eine Absage.

Der Energie Informationsdienst EID schätzt in einer aktuellen Analyse, das Potenzial für einen Gaspreisanstieg für Haushaltskunden liege 2008 insgesamt bei rund 20 Prozent. Das liege daran, dass die Bindung der Gastarife für Haushalte an die Heizölpreise eine größere Rolle spiele als die Kopplung an den Ölpreis. Skeptiker gehen von einem Anstieg von bis zu 40 Prozent aus.

Wegen der ebenfalls dramatisch gestiegenen Dieselpreise befürchtet die Speditionsbranche eine Pleitewelle. Fünf bis sechs Prozent der Unternehmen müssten in diesem Jahr vermutlich Insolvenz anmelden, sagte Karlheinz Schmidt, Geschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr (BGL), dem «Tagesspiegel» (Montag).

Glos rief alle auf, mit Energie sparsamer umzugehen: «Jeder kann mithelfen, Energie zu sparen, indem man Fahrgemeinschaften bildet, oder, wenn möglich, auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigt.» Glos erneuerte auch seine Forderung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern, um Strom günstiger anbieten zu können. In einer Umfrage zeigte sich fast jeder Zweite bundesweit gleicher Meinung. Ebenso viele (46 Prozent) wollten am Ausstieg festhalten. Unterdessen steigt das Interesse an regenerativen Energieträgern: Die Münchner Fachmesse Intersolar ging mit einem Besucherrekord zu Ende.

Die hohen Ölpreise können zu einem höheren Inflationsdruck führen und bewirken einen «enormen Kaufkraftentzug, auch in der Eurozone», erklärte der deutsche Finanzstaatssekretär Thomas Mirow zum Abschluss der Beratungen der Finanzminister der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) am Samstag im japanischen Osaka. Da für die hohen Ölpreise häufig Spekulanten verantwortlich gemacht werden, beauftragten die Minister den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Internationale Energieagentur (IEA), diesen Einfluss zu prüfen. Einen Bericht soll es bei der IWF-Jahrestagung im Oktober geben.

Die G8-Finanzminister forderten in einer gemeinsamen Erklärung die Ölförderländer zu einer Aufstockung ihrer Produktion auf. Der Onlineausgabe der «New York Times» (Samstag) zufolge will Saudi- Arabien als größter Erdölproduzent seine Tagesproduktion im kommenden Monat um rund eine halbe Million Barrel Öl erhöhen.

 Quelle und weitere Information: Greenpeace

 



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